SHOW REVIEW

Sting in Nuremburg...

''Es gibt keine Religion außer Sex und Musik'', singt Sting, der Musiker mit Sex-Appeal, und meint das natürlich nicht so wörtlich, wie es auf den roten T-Shirts am Souvenirstand steht. Der Song, aus dem das Zitat stammt, heißt 'Send Your Love', eine Abrechnung mit Fundamentalisten jeglicher Couleur. Vor allem aber ein Hinweis auf die unabsehbaren positiven Folgen guter Taten. Liebe und Musik sind Stings Heilmittel in einer Welt voller Hass und Gewalt. Einfache Wahrheiten müssen angesichts einer komplizierten Wirklichkeit ja nicht automatisch falsch sein.

Das Unding namens Liebe steht im Mittelpunkt dieses hinreißenden Konzertabends, und zwar gleichermaßen als private wie gesellschaftliche Utopie. Das Spektrum reicht vom Zustand des Verliebtseins bis in eine spirituelle Dimension: 'When I Fall in Love' heißt das aktuelle Album des Startrompeters Chris Botti, dessen geschmeidiger Fusion-Jazz im Vorprogramm begeisterte, 'Sacred Love' die aktuelle Sting-CD.

Die Zusammenarbeit von Sting und Chris Botti, die äußerlich betrachtet fast Vater und Sohn sein könnten, reicht bis ins Jahr 1999 zurück, als der Trompeter als Gast bei 'Brand New Day' mitwirkte. Und auch jetzt sind beide gemeinsam auf ihren aktuellen Alben zu hören. Sting pflegt ja seit langem sein Faible für gepflegten Jazz.

In Nürnberg präsentiert er sich in Bestform, ein lässiger Perfektionist, ein ebenso gut gelaunter wie gut aussehender Gentleman, der das Haar neuerdings wieder länger trägt. Abgesehen von ein paar Brocken auf Deutsch verliert Sting nicht viele Worte, sondern konzentriert sich auf sein Zwei-Stunden-Programm mit Song-Beispielen aus fast allen Schaffensphasen.

An der Show gibt's kaum etwas zu meckern: Der Sound ist wunderbar transparent, die Lichteffekte sind geschmackvoll und die Video-Projektionen raffiniert, obgleich teilweise recht schwülstig. Die Ausnahme-Band mit zwei Schlagzeugern, zwei schwarzen Background-Sängerinnen und dem hervorragenden Gitarristen Dominic Miller ist atemberaubend aufeinander eingespielt. Und Sting, der Sänger mit dem kehligen Timbre, besser bei Stimme denn je.

Von neuen Songs bis zurück zu den Police-Zeiten reicht das Wunschkonzert, der Wechsel von melancholischen Balladen und hitzigen Up-Tempo-Nummern sorgt für Spannung. Erwartbare Höhepunkte bilden Evergreens wie 'Englishman in New York', 'Fragile' und die überschäumende Langversion von 'Roxanne'. Zum Schluss gibt es das orientalisch angehauchte 'Desert Rose'. Sting entlässt das jubelnde Publikum mit dem beruhigenden Gefühl, dass Liebe vielleicht doch mehr ist als ein Song.

(c) The Nürnberger Nachrichten by Steffen Radlmaier

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