Jun
05
2008

Mannheim, DE (SAP Arena)

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With The Charlatans

SHOW REVIEW

Von der Polizei verhaftet...

Sting, Andy Summers und Stewart Copeland begeistern in Mannheims SAP Arena 13 500 Fans - und stellen den Besucherrekord ein

Es war das Konzert des Jahres - 2007. Aber durch die krankheitsbedingte Verschiebung des Police-Auftritts in der Mannheimer SAP Arena um acht Monate ist vor dem Nachholtermin irgendwie die Luft raus. Von den paar hundert zurückgegebenen Karten sind sogar bis zuletzt einige zu haben - eigentlich unfassbar bei einer Tournee, die sich ansonsten meist in Fußballstadien abspielt, rasend schnell ausverkauft war und mit geschätzten 340 Millionen Dollar Einnahmen wohl zu den erfolgreichsten der Rockgeschichte zählen wird.

Natürlich ist die Arena letztlich doch komplett besetzt, dank der kleinen Bühne wird mit 13,500 Zuschauern sogar der Konzertbesucherrekord von Bruce Springsteen eingestellt und die letzte Kleinmütigkeit verpufft, als ein gewaltiger Gongschlag von Drummer Stewart Copeland das Konzert eröffnet und Andy Summers das unverkennbare Riff von 'Message In The Bottle' anstimmt. Mit Stings Auftritt überschlägt sich der Jubelsturm fast - obwohl sein ungewohnter Papa-Schlumpf-Bart einen kleinen Schockmoment auslöst.

Der 56-Jährige mag dadurch alt aussehen, aber die figurbetonte Kleidung, verrät, wie topfit sein Körper ist. Auch gesanglich präsentiert sich der Kopf der 2007 reformierten Band souverän - wenn auch meist eine gute Tonlage tiefer als vor 30 Jahren. Von 1977 bis 1983 schrieben The Police so viele Superhits wie sonst nur die ganz Großen à la Beatles, Rolling Stones und Elvis - und entwickelten sich dabei von einer punkigen Band mit Faible für Reggae- und Ska-Rhythmik zum stilistisch über alle Genregrenzen hinweg aufgeschlossenen Trio, das serienweise Charts-Pop produzieren konnte, ohne den musikalischen Anspruch aufzugeben.

Wie hoch der ist, dafür steht vor allem der immer noch infernalische Copeland (55), dessen wuchtiges Spiel man zwar auf der Richterskala messen müsste, der aber trotzdem weiterhin zu den Schlagzeugern mit dem besten Gefühl für Timing und Nuancierung gehört. Das zeigt sich vor allem bei den Percussion-Parts, die Songs wie ''Wrapped Around Your Finger'' - sogar mit Vibraphon - oder ''King Of Pain'' ein neues Gesicht geben. Die Gitarrensoli des 65-jährigen Summers sind ebenfalls ein Gedicht - auf den Punkt dosiert, virtuos, dabei kraftvoll und feinfühlig zugleich.

Der schwierige Balanceakt zwischen künstlerischer Selbstverwirklichung und Dienst am teuer bezahlenden Kunden, der am liebsten 'Greatest Hits' in Reinkultur hören möchte, gelingt fast perfekt: Mit viel Spaß zelebrieren The Police auch entlegenere Songs wie 'Demolition Man' oder 'Hole In My Life', die sie durch Hitballaden wie 'Don't Stand So Close To Me' oder 'Every Little Thing She Does Is Magic' abfedern. Denen verordnen sie wiederum kleine Arrangementänderungen, meist in Sachen Tempo - das verleiht den leichtlebigeren Ohrwürmern eine Kante, die für Spannung sorgt und die Evergreens wie 'Roxanne' oder 'So Lonely' nicht nötig haben.

Aber das Spektakulärste an diesem Abend ist nicht die ausgeklügelte Konzertdramaturgie, sondern die pure Wucht, die The Police immer wieder nach Belieben entfesseln - und das quasi ohne Blauchlicht, mit einfachsten Rock-Mitteln: drei Musiker auf einer vergleichsweise kleinen Bühne, rundum einsehbar, minimale visuelle Effekte, oft noch bei eingeschaltetem Saallicht - ''nackter'' präsentiert sich kein Arena-Act. Versinnbildlicht wird der puristische Ansatz durch Stings völlig abgewetzten Fender-Telecaster-Bass - rar, teuer, machtvoll im Sound. Das Versprechen ewiger Jugend als Erfolgsrezept des Rock schwingt immer mit. Trotzdem singt Sting ''I guess this is our last Goodbye'' ('I Can't Stand Losing You') - wenn er das mit dem letzten ''Auf Wiedersehen'' wirklich ernst meint, wäre der Verlust in der Tat schwer zu verkraften.

(c) Mannheimer Morgen by Jörg-Peter Klotz

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