SHOW REVIEW

Sting in der völlig ausverkauften Sporthalle - Der Musik-Dandy...

''Sending out an S.O.S.'': Hamburgs größter Chor, 7,000 Stimmen und ganz vorne ein schmunzelnder Mann mit Gitarre: Sting als Volkstribun, nicht mal seine schlechteste Rolle. Fast zwei Stunden hielt der Brite das schlichte, aber wirksame Strickmuster durch: Ein Hit, etwas Neues, viel Melodie, viel Jazz und kaum noch Zugeständnisse an alte Tage: Ein vertraut klingendes Roxanne musste als einziger echter Trost für Police-Nostalgiker herhalten.

Seit Stings erster Tour mit Branford Marsalis gab es nicht mehr so viele Überraschungen: Drummer Manu Katche rappt sich durch 'Perfect Love Gone Wrong' - auf französisch, sehr gekonnt, sehr dezent.

In 'Desert Rose' zieht die bunt beleuchtete Karawane gen Maghreb und unter dem 'Moon Over Bourbon Street' streifen unsere Vampire diesmal durch die Clubs - kräftig unterstützt durch Chris Botti und Jason Rebello, zwei junge britische Top-Jazzer in Stings Band. Rock mit einem entschuldigendem Augenzwinkern und der stillen Gewissheit: Der Mann ist so gut, weil er auch ganz anders könnte - ein Musik-Dandy im knappen schwarzen Muskel-Shirt.

Bühne, Licht, die verblüffend gute Akustik: alles geschmackvoll, nichts übertrieben, keine faulen Kompromisse, nur hochklassige Musik.

(c) Hamburger Morgenpost by Ralf Dorsche



Ein reifer Meister surft durch musikalische Welten...

Die wespengleich gelbschwarz gestreiften T-Shirts, die ihm einst den Spitznamen Sting (Stachel) eintrugen, sind längst in Altkleider- Sammlungen entsorgt. Heute, im gereiften Alter von 48 Jahren, trägt Gordon Summer schwarze Lederjacke und Jeans. Doch auch im neuen Outfit ist der Brite seinem Namen treu geblieben. Widerborstig, stachelig - einer wie Sting, längst ein Mega-Star, surft nicht auf den musikalischen Mode-Wellen. Womöglich ist der in der Arbeiterstadt Newcastle aufgewachsene Musiker, genau deshalb so ungemein beliebt. Sting hasst den Hightech-Wettlauf seiner Kollegen mit ultramodernen Laserkanonen oder schwenkbaren Bühnen - beim seit Wochen ausverkauften Konzert in der Alsterdorfer Sporthalle flimmerte nicht einmal ein Videoclip. Der Engländer, seit Jahren für Amnesty International und den Umweltschutz aktiv, inszeniert keine pompöse Show, sondern macht schlicht zwei Stunden großartige Musik.

Dabei hätte eine Grippe den Auftritt in Hamburg fast unmöglich gemacht - am Vortag hatte er sein Konzert in Rostock noch absagen müssen. Wer den Mann mit dem Kurzhaarschnitt indes nur aus seinen wunderschönen Ohrwurm-Balladen wie 'Fields of Gold' oder 'Englishman in New York' kennt, mag in der Sporthalle manchmal irritiert gewesen sein. Sting leistet sich zwischen seinen Klassikern immer wieder Ausflüge in andere musikalische Welten, steppt mitunter im Minutentakt vom Rap zum Jazz, von Country zu Folk. Songs, auf die man sich einlassen muss - weitab vom üblichen Mainstream-Gedudel - mal melancholisch, mal voller Lebensfreude. Seine exzellenten Musiker dürfen mehr, als nur einen kuscheligen Klangteppich weben. Ab und an stellt sich der Meister an den Bühnenrand, zupft den Bass und hört lächelnd zu, wie die Kollegen improvisieren. Der Sound perlt kristallklar aus den Boxen - abgemischt mit einer fast chirurgischen Präzision. Die so genannten Experten, die seit Jahr und Tag über die problematische Akustik der Sporthalle klagen, wurden am Dienstag eindrucksvoll eines Besseren belehrt.

Am Ende nimmt Gordon Summer seine Fans noch einmal auf eine Zeitreise mit, back to the roots mit dem Police-Klassiker 'Message In A Bottle', Anfang der 80er-Jahre Pflicht-Gassenhauer bei jeder Fete. Doch auch bei der Zugabe bleibt Sting ein Stachel. Statt der berühmten harten Gitarren-Riffs ist eine Unplugged-Version zu hören - Sting schickt seine ''Flaschenpost'' als Ballade auf die Reise. Finale eines großartigen Konzerts.

(c) Die Welt by Peter Wenig.



Perfekte mischung...

Selbst vor Superstars wie Sting macht die Grippewelle nicht Halt: Noch am Dienstag musste der 48 Jahre alte Brite sein Gastspiel in Rostock aus Krankheitsgründen absagen und 5,000 enttäuschte Fans auf den 29. Februar vertrösten.

Doch als Sting alias Gordon Matthew Sumner gestern um kurz nach 20 Uhr die Bühne der restlos ausverkauften Sporthalle betrat, hatte er sich hörbar erholt. Und die Fans taten ihr Übriges, ihn Halsweh und Fieber vergessen zu lassen: Euphorisch empfingen sie den Megastar und seine erstklassige siebenköpfige Band. Schließlich hatten die Hamburger drei Jahre auf ein Konzert von Sting warten müssen.

Ohne aufwendige Bühnendeko, mit unaufdringlicher, aber effektvoller Lightshow ins rechte Licht gerückt, eröffnete der sympathische Musiker mit 'A Thousand Years', dem ersten Stück seiner aktuellen CD Brand New Day, das Konzert. Sting nahm sein Publikum mit auf eine Zeitreise durch seine lange Karriere und sparte natürlich auch nicht seine Jahre als Police-Frontmann aus: Begeistert sang das Publikum die Refrains der obligatorischen Hits wie 'Every Breath You Take' und 'Every Little Thing She Does Is Magic' mit.

Zwischen Klassikern wie 'Englishman In New York', 'Moon Over Bourbon Street', 'Fields Of Gold' und 'If You Love Somebody Set Them Free' reihte er immer wieder neue Songs ein. Wert legte Sting auch auf eine ausgewogene Mischung der Stile: Rock, Pop, Jazz, Soul und Ethno-Klänge präsentierten er und seine Band in Perfektion. Dabei ließ Sting, der nicht nur sang, sondern auch den Bass zupfte, seinen Musikern - darunter Gitarrist Dominic Miller, Drummer Manu Katché und Keyboarder Jason Rebello - Raum für Improvisationen.

(c) Hamburger Abendblatt

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