Symphonicity
Oct
23
2010
Stuttgart, DESchleyerhalle
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Großes Spektakel um große Hits...

Sting verpasst in der Stuttgarter Schleyerhalle alten Songs erfolgreich ein neues orchestrales Gewand.

Der also auch. Pop goes Klassik. Am Samstagabend präsentierte Sting seinen Fans eine Auswahl seiner Welthits zusammen mit dem Royal Philharmonic Concert Orchestra in einer fast ausverkauften Schleyerhalle. Zweieinhalb Stunden lang zeigte der englische Musiker und Sänger zusammen mit extrem spielfreudigen Orchestermusikern, dass er es auch gerne mal spektakulärer mag. Und auch kann. Das Publikum dankte mit grenzenloser Begeisterung.

Was hat er nicht schon alles gemacht. Immer wieder überraschte Sting die Musikwelt mit neuen Experimenten. Mal nahm er seine Fans mit in die Welt des Jazz, mal tourte er wieder mit ''Police'', im letzten Jahr betörte er ein handverlesenes Publikum bei seinem einzigen Deutschland-Konzert zu 'If On A Winter's Night' in Baden-Baden vollbärtig mit leisen sphärischen Folkballaden.

Doch bei seiner diesjährigen 'Symphonicity Tour' geht es wieder ums Große, also auch um die großen Hits: 'Roxanne', 'Russians' oder 'Every Breath'. Alles schon tausendmal gehört, könnte man sagen. Doch die rund 8,000 Menschen, die in die Schleyerhalle gekommen sind, sind offensichtlich alle Fans und wollen genau diese Hits, nur anders. Weiß man doch: Seine Songs nach Schema F runterspielen ist nicht Stings Ding. Vielleicht auch deshalb wird er schon vorweg enthusiastisch gefeiert, als er jugendlich glattrasiert in auf den Leib geschneidertem Schwarz gleich nach den Orchestermusikern und deren Dirigent Steven Mercurio die Bühne betritt.

Satt und breit geht es dann los, 'Magic', 'Englishmann in New York' - Sting singt mit seiner unverwechselbaren Stimme, die Streicher zupfen, alles ist leicht, doch aus den Stuhlreihen haut das erst mal nicht. Drei Lieder brauchen der Brite und die Musikermasse, um richtig in Form zu kommen; doch dann kommt die in die Jahre gekommene 'Roxanne' daher, wird zart getragen von leisen Gitarrenklängen und nachgiebigen Streichern und wird damit wieder zur jungen, unbekannten Schönen.

Schlag auf Schlag folgen die Hits; nur Stings Moderationen zu den Liedern, kleine Erklärungen über deren Enstehungsgeschichten, unterbrechen den Fluss musikalischen Variantenreichtums, den der Sänger in stimmlicher Bestform durchquert: bombastisch lässt das Orchester unter der engagierten Führung seines tänzelnden Dirigenten bei 'Russians' die Bauchfelle beben, sinfonisch-verjazzt präsentiert Sting mit Co-Sängerin Jo Lawry 'Whenever I Say Your Name', wobei die ihm fast die Show stiehlt, könnte Sting die Töne nicht bis zur Schmerzgrenze halten. Nach einer mit Standing Ovations eingeläuteten Pause bedient sich '1000 Years' des Irish-Folks; Musical-Dramatik samt einem ulkigen Leinwand-Nosferatu saugt 'Moon over Bourbon Street' das alte Blut aus; ein ungewöhnlich zuversichtlicher 'King of Pain' reißt das Publikum von den Sitzen, bei einem als Spektakel zelebrierten 'Desert Rose' schließlich spielen die Musiker sich und alle anderen fast in begeisterte Ohnmacht.

© Schwäbische Post by Dagmar Oltersdorf

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