SHOW REVIEW

Zurück zu den Wurzeln und zum Bass...

Nach seiner Karriere bei Police ist Sting seit 25 Jahren als Solist unterwegs. Zum Jubiläum gratulierte er sich selbst in der Jahrhunderthalle.

Flink greift eine kräftige Männerhand Akkorde auf den Saiten einer Akustikgitarre: 'Message In A Bottle' heißt der letzte Song im stürmisch beklatschten Finale, der 1979 der Generation der Baby-Boomer als Hymne diente. Ohne die Formation, die ihn mehr als zwei Stunden lang virtuos begleitet hat, agiert der drahtig-athletische Typ auf schmuckloser Bühne im weißen Licht. Röhrenjeans, T-Shirt, Turnschuhe und millimeterkurzes Haar lassen den Träger um Jahre jünger erscheinen. Weltstar Sting hat sich mal wieder selbst umgedeutet.

Verlegen um Ideen war Gordon Matthew Sumner noch nie: Von der Jazz-Rock-Formation Last Exit aus Newcastle wechselte der ehemalige Lehrer für Englisch und Sport 1977 mit Spitznamen Sting zur Londoner Band The Police. Auf jene Prä-Police-Ära greift der passionierte Regenwaldretter, Yoga-Experte, Vegetarier, Tierzüchter, Gelegenheitsschauspieler und Stratege von Amnesty International, der ab 1985 auf Solopfaden wandelte, nun zurück, wenn er dynamisch Jazz, Rock, Pop und Country verquickt.

In jüngerer Zeit fiel der 60 Jahre alte, in zweiter Ehe verheiratete sechsfache Familienvater durch weitere Eskapaden auf: Nach exzentrischen Lauteninterpretationen des Renaissance-Musikers John Dowland folgten eine Police-Wiedervereinigung, ein introspektiver Songzyklus zum Thema Winter sowie ein Ausflug in die Klassik unter Führung des Royal Philharmonic Concert Orchestra. Zeit also, um den Gang zurückzuschalten.

Der Auftakt mit dem rasant interpretierten 'All This Time' machte deutlich, dass Stings Kopfstimme noch an Volumen und Variationsbreite hinzugewonnen hat. In der proppevollen Frankfurter Jahrhunderthalle findet er zurück zu seinen Wurzeln - ganz ohne üblichen Hightech-Schnickschnack. Unter dem Motto ''Back To Bass'' gratuliert Sting sich selbst zum 25.Jubiläum als Solist. Das könnte auf Dauer ein wenig enervieren. Deshalb würzen diverse Police-Klassiker, von 'Every Little Thing She Does Is Magic' bis 'Demolition Man', von 'Driven To Tears' bis 'Next To You', in recht deftigen Versionen die Stingsche Solokost. Klar auch, dass der Publikumsfavorit 'Every Breath You Take' nicht fehlt.

Mit Sachverstand, Fingerspitzengefühl und ausführlichen Ankündigungen in nahezu akzentfreiem Deutsch gibt der meist statisch in der Bühnenmitte vor dem Mikrofon verharrende Sänger mit antik abgeblättertem Fender-Bass den charmant plaudernden Alleinunterhalter: ''Das Spiel der Liebe ist gefährlich und unberechenbar. Gewinnt man, ist es wie im Paradies. Verliert man, wird sie zum Inferno'', kündigt er augenzwinkernd dramatisch 'Inside' an.

Blumige Worte hält Sting auch für seine Musikern parat: ''Meine rechte Hand seit 22 Jahren'', stellt er etwa den Gitarrenvirtuosen Dominic Miller vor. Millers Sohn Rufus bedient die Akustikgitarre. In den Bandschoß zurückgekehrt ist Schlagzeuger Vinnie Colaiuta. Mit Sängerin Jo Lawry gönnt sich Sting gleich mehrere scharf geladene Gesangsduette. Wahlweise darf die Australierin aber auch als zweite Geigerin mit Violinist Peter Tickell den Sound noch mehr in Richtung rustikale Country- und Jazz-Gefilde lenken.

(c) Frankfurter Allgemeine by Michael Köhler

(1) Reviews and Comments
iriskunz - 03.01.12
Fantastic!
Great to be there yesterday in Frankfurt - it was amazing! Sting as his best! Thanks für such a fantastic evening to all of the band - good job!! hope to see you soon! iris