57th & 9th
Jul
22
2017
Regensburg, DESchlossfestpiele
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Unhöfliche Gäste, aber ein grandioser Sting: Sowas hat Regensburg noch nie gesehen!

Wer einen über überkandidelten Weltstar erwartet hat, wurde schnell eines Besseren belehrt: Sting im Schlosshof von St. Emmeram war eine Sternstunde, der Musiker kam bestens gelaunt – nur die Unpünktlichkeit mancher Gäste sorgte für Ärger. 

Selbst Fürstin Gloria war sich nicht sicher, ob sie den Weltstar tatsächlich hinter den Kulissen treffen kann. Künstler dieser Kategorie haben ihre Eigenheiten, man denke nur an den Auftritt von Elton John in Regensburg. Doch der Mann, der da kam, war nicht nur eine Ausgeburt an Professionalität, sander zudem auch noch ein echter Sympathieträger. Im T-Shirt begrüßte er die Fürstin im Schloss, man schoss ein Foto und unterhielt sich höflich.
 
Unhöflich war das, was man in den letzten Tagen leider immer wieder erlebte, los ging das schon bei der Premiere von Aida: Die phantastische Atmosphäre und das Ambiente hielt zahlreiche Gäste bei ihrem Getränk auf. Das ist vor allem auch wegen der engen Bestuhlung äußerst ärgerlich, das Auf- und Ab nervt. Und Sting interessierte es wenig, dass noch nicht alle da waren: Er fing einfach an! Pünktlich um halb 9 legte er los, um Punkt zehn Uhr hörte er auf, kam sofort für eine Zugabe auf die Bühne, die exakt eine Viertelstunde dauerte. Der gebürtige Engländer scheint nicht nur ein ausgeklügeltes Ernährungs- und Sportprogramm zu absolvieren, Sting ist 1952 geboren und sieht topfit aus. Nein, Starallüren und Exzesse scheinen ihm fremd.
 
Und das, was er zusammen mit seiner Band, der auch Stings Sohn Joe Sumner angehört, war wohl das Beste, was man in Regensburg bei den Schlossfestspielen je gehört hat. Man kennt das ja: Mancher Weltstar kommt und spielt vorwiegend sein neues Album, denn das will er ja verkaufen, die Fans wollen aber die Hits von anno dazumal hören. Sting hatte da keinerlei Dünkel: Schon beim dritten Lied stimmte er „Englishman in New York“ an, und dann ging es Schlag auf Schlag. „Fields of Gold“, „Desert Rose“, „Roxanne“, „Message in a Bottle“, „Every Little Things She Does Is Magic“, er spielte sie einfach alle. Unfassbar, wie viele Nummer-Eins-Hits Sting in den mehr als 30 Jahren seiner Bühnenpräsenz gesungen hat.

Ein berührender Moment war schließlich, als er Sohn Joe die Bühne überließ. Berührend auch deshalb, weil Stings Sohn Joe eine Ehrerbietung an einen großen Kollegen Stings performte, der letztes Jahr an Krebs gestorben ist: David Bowie. Sumner spielte Bowies legendäres „Ashes to Ashes“, ein großer Moment, wirklich groß.

Die Schlossfestspiele haben sich in den letzten 15 Jahren stark gewandelt. Was als reine Klassik-Reihe begann, ist längst ein Pop- und Rock-Event erster Güte geworden. Der Mix macht es. Mit Sting erreichte das, was man in Regensburg im wunderbaren Schlosshof erleben kann, einen absoluten Höhepunkt. So etwas grandioses wie dieses Sting-Konzert hat Regensburg noch nie gesehen. 

(c) Wochenblatt by Christian Eck

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