Brand New Day
Jun
24
2001
Coburg, DESchlossplatz
With Nitin Sawhney
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Coburg Die Mischung stimmt...

Dassfast alles frisch klingt, liegt aneiner brillanten Band und demSpaß, den alle auf der Bühnemiteinander haben.

Vor dieser Bühne auf dem Coburger Schlossplatz, ganz vorn an der Absperrung, ein Haufen junger Frauen, von denen einige wohl im Kindergarten waren, als 1985 'The Dream Of The Blue Turtles' herauskam, Stings erstes Soloalbum, aus dem die Eröffnungsnummer ''If you love somebody set them free'' stammt. Immerhin, dem durchtrainierten blonden Mann mit der orange getönten Brille und dem schartigen Fender-Bass scheint es trotz aller ironischer Lässigkeit nicht zu missfallen, bejubelt zu werden wie der Sänger einer Boygroup. Auf vielfach gekreischten Wunsch stimmt er sogar kurz ein 'Happy Birthday' für irgendjemand in der ersten Reihe an.

Denjenigen, die - seit ''Police'' - mit seiner Musik groß geworden sind, schenkt Sting eine Menge schöner Erinnerungen. Zwanglos mischt er Altes und Neues, 'Roxanne' oder 'I'm Mad About You' verträgt sich ausgezeichnet mit 'After The Rain Has Fallen' oder 'Perfect Love' vom neuesten Album 'Brand New Day'.

Dessen Titelsong kommt nach einer knappen Stunde, nicht ganz so filigran wie auf CD, deshalb aber nicht minder mitreißend. Vieles ist neu arrangiert, zugeschnitten auf die sechsköpfige Band, aus der vor allem Gitarrist Dominic Miller mit akkuraten Einsprengseln und trocken-präziser Rhythmusarbeit heraussticht. Und Trompeter Chris Botti, der wie Miller drahtlos auf und abtigert und den Ausflügen Richtung Jazz und Soul den Glanz verleiht. Aber Sting, der Perfektionist, hat sowieso nur absolute Könner dabei. Jeder Song, jedes Solo, jeder Übergang sitzt.

Wohltuend schlicht die Show. Etwas dezenter Nebel, das Gerüst mit den Lautsprechern und dem Spitzgiebel bleibt unverkleidet. Das Gestänge, clever angeleuchtet, wechselt mit der Bühne die Farbe. In ungewohnten Farben auch einige Songs, etwa ein jazziges 'Moon Over Bourbon Street', für das Sting sich die Stimme von Satchmo leiht.

'Every Breath You Take' kommt etwas breiig, aber auf die Bitterkeit, die diesem Song eigentlich innewohnt, hat jetzt eh keiner Lust. Eher lässt man sich anstecken von der Vitalität Stings. Zu 'Fields Of Gold' brennen die obligatorischen Feuerzeuge, neu scheint die Mode, Konzerte live per hochgehaltenem Handy nach Hause zu übertragen.

Nach gut anderthalb Stunden verlässt die Band erstmals die Bühne, kehrt aber ohne Umstände zurück, um in zwei Sets fünf weitere Songs zu spielen, darunter ein wunderschönes 'Fragile' mit Sting an der Gitarre. Was sonst kaum einer hinkriegt: Bei aller Professionalität bleibt der Eindruck echter Herzlichkeit.

(c) Mainpost by Mathias Wiedemann

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