SHOW REVIEW

Selbstvertrauen in jedem Ton: Stings Konzert in Freiburg...

Auch das Neue kommt einem bekannt vor Noch vor 20 Jahren und inspiriert von der Punkbewegung werkelte Sting mit seinen ''Polizisten'' an einem ganz eigenen Sound. Damit irritierte er zunächst das deutsche Publikum derart, dass Eltern ihren Kindern solche Konzertbesuche am liebsten verboten hätten. Heute, auf dem Weg in das dritte Jahrzehnt seiner Karriere, vermag der Solokünstler Sting gleich mehrere Generationen zu mobilisieren: Kinder stehen einträchtig neben ihren Eltern in der gut besuchten neuen Freiburger Messehalle und warten auf den Rockstar, der zwischen Punk und Hip-Hop alles er - und überlebt hat und nun als erster Künstler in dem Neubau auftritt.

''Guten Abend'', sagt Sting höflich, als er auf die Bühne kommt - bescheiden, unprätentiös und doch souverän. So wirkt er den ganzen Abend. Innere Stärke, Ausgeglichenheit und Selbstvertrauen stecken in jedem Ton. Es ist ein Vergnügen, ihn beim Hören zu sehen. Und den rund 7,000 Menschen, die sich nicht drängeln müssen (10,000 kann die Halle fassen), gefällt die Atmosphäre sichtlich. Die Aluminiumrohre, die sich unter dem hohen Wellblechdach winden, vermitteln den Eindruck, als befinde man sich im Maschinenraum des Luxusliners ''Titanic''.

Doch herrscht keineswegs Untergangsstimmung. Im Gegenteil. Trotz der gewaltigen Lüftungsrohre unter der freiliegenden Dachkonstruktion, die sicher keine Konzerthaus-Akustik zulassen, dringt ein angenehmer Sound ins Gehör - ob vorne an der Bühne, ob ganz hinten im Saal oder auf der eigens für Rollstuhlfahrer gebauten Empore in der Mitte der Halle. Von der Decke hängende Lautsprecherbatterien verbreiten selbst feine Nuancen in jede Ecke: Stings klaren Bass, Jason Rebellos perlende Keyboardläufe oder die feinen Trompetensoli von Chris Botti. Nichts verkrümelt sich im Ungefähr des Schalls, wie man es aus der alten Freiburger Stadthalle gewohnt war.

Aber selbst das hätte Sting nichts anhaben können. Denn das Faszinierende an seinen zeitlos klassischen Stücken ist, dass sie überhaupt nicht verstaubt klingen. Die Interpretationen, die Sting seinen Klassikern zumutet, gehen gerade soweit, dass sie einerseits einen erfreulichen Wiedererkennungswert für das Publikum haben, andererseits den Eindruck vermitteln, als seien es kreative Spielereien mit einem Anflug abgeklärter Weisheit. Ja, sogar ein wenig Selbstironie kommt daher, wenn 'Roxanne', die schon angegraute Dame aus dem Rotlichtmilieu, in den Strophen leicht stolpert, im Refrain aber wieder ganz die Alte ist und das Publikum zum Wechselgesang mitreißt.

Es sind in der Tat Stücke wie 'Set Them Free', 'Every Breath You Take' oder 'Englishman In New York' - vielleicht Stings schönster Titel - , die die jüngsten Werke von seinem aktuellen Album Brand New Day in den Hintergrund drängen. Die Zusammenstellung der Songs ist wohlkalkuliert: Weniger Bekanntes folgt dem Unverkennbaren, und doch sind die neuen Stücke passagenweise so typisch, dass man glaubt, sie vor Jahren irgendwo bei Sting schon einmal gehört zu haben. Sting gefällt sich in dieser Rolle so sehr, dass es scheint, als entstünde eine Art Session-Atmosphäre, wenn etwa beim Stück Bring On Gitarre, Trompete, Bass und Schlagzeug zum Improvisieren aufspielen. Doch das Konzept des Konzerts ist ein anderes, und so klingt die ''Improvisation'' unüberhörbar bis zum letzten Ton perfekt eingeübt.

Viel mehr Inszenierung findet nicht statt. Vielleicht dort, wo Sting die 'Bourbon Street' mit einem Mackie-Messer-Intro besingt, über der schon ewig der Mond steht. Dazu steigen ein paar japanische Lampions von der Bühne empor. Eine Kulisse, so gut wie das Konzert: schlicht und schön zugleich. Man wird sich erinnern, bis zum nächsten Mal, wenn Sting, der Sonnenkönig im Rockland, wieder in Freiburg ist.

(c) Badische Zeitung by Christian Oster

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