Stilvolle Songs mit Sting am Königsplatz...
Die ganz große Stimmung breitete sich am Freitagabend zunächst nur über die erste Hälfte des Königsplatzes aus, auf dem sich Tausende von Fans eingefunden hatten, um Sting unter freiem Himmel zu genießen. Und das lag nicht in erster Linie daran, dass ein beträchtlicher Teil seiner Gigs noch bei Helligkeit stattfand und die Feuerzeuge während Songs wie 'Fields of Gold' untergingen.
Die Lautstärke war's, die nicht nur den hinteren Reihen das Gefühl des Live-dabei-Seins streitig machte. Ist man doch bei manchen Konzerten froh um jede ruhige Einlage, die einem nicht die Gehörgänge wegpustet, so war es bei Sting in Bühnennähe gerade angenehm. Weiter hinten aber blieb es ruhig, während der Sound irgendwo zwischen Pfeffersteaks und schlecht eingeschenkten Bieren im Nichts versickerte.
Dabei machten der Brite und seine Band doch mal wieder zwei Stunden lang deutlich, wo ihre Bühnenstärken liegen: Sting setzt seine charakteristische, in den Höhen messerscharfe Stimme intonationssicher ein und auch live nimmt er seine oft anspruchsvollen Melodieführung en und Rhythmen locker.
Vor allem letztere stellen übrigens immer wieder eine Herausforderung an die routinierte Band dar. Da gibt's keine spieltechnischen Stolpersteine, und die nötige Transparenz bei der Instrumentierung, kombiniert mit einer guten Tonabmischung, sorgt dafür, dass die schönen Strukturen der Songs durchgehend erkennbar bleiben.
Stings Songpalette reichte wie erwartet von den immer noch aktuellen Nummern wie 'Desert Rose' oder 'Brand New Day'' über Nummern aus 'Ten Summoner's Tales' bis zurück zu den 'Every Little Thing She Does Is Magic' - Zeiten.
Angenehm: Die Songs kamen wirklich nur so auf die Bühne, wie sie sich mit, der anwesenden Besatzung realisieren ließen. So gab es 'Fill Her Up', dass von Country zu üppigem Gospel umschlägt, in einer etwas abgespeckten, dafür aber nicht Konserven-verstärkten Version. Sparsam auch das Bühnenbild, das lediglich durch einige Lichteffekte zustande kommt, sowie die scheue Konversation des Briten mit seinen Fans.
Spätestens ab 'Englishman In New York' hatte die Atmosphäre dann endlich auch die klanglich vernachlässigten hinteren Reihen erfasst. Und so tat man bis zum Schluss nach etlichen Zugaben bei stilecht britisch?rauem Klima schließlich das, was bei einem etwas üppigerem Sound vermutlich von Anfang an der Fall gewesen wäre: sich warm tanzen!
(c) Münchner Merkur by Judith Fink