Sting & Shaggy: The 44/876 Tour
Jul
12
2018
Fulda, DEFulda Domplatz
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Sting und Shaggy in Fulda – 8500 Menschen am Domplatz – "Here we go"...

Ein bisschen Reggae, ein bisschen Rock und vor allem ganz viel gute Laune – der Fuldaer Domplatz platzte am Donnerstagabend fast aus allen Nähten. Rock- und Popstar Sting und Reggae-Musiker Shaggy begeisterten gemeinsam die rund 8500 Besucher. Die Stimmung war grandios, das Wetter hätte nicht besser sein können und die Besucher erlebten einen unvergesslichen Abend in der Domstadt.

Milde Temperaturen und Sonnenschein – die Bedingungen waren top. Regen blieb glücklicherweise aus, sodass das Open-Air-Konzert ohne Probleme ablief. Vor dem Fuldaer Dom, der eine unvergleichliche Kulisse bot, herrschte wahrlich Festival-Stimmung. Die Besucher kamen locker und lässig in Jeans, Shirts und Lederjacke gekleidet, in der einen Hand ein Becher Bier und in der anderen Hand schnell noch etwas zu Essen. Die meisten waren in kleinen Gruppen unterwegs. Zur Musik von Singer und Songwriter James Walsh stimmten sich die Gäste auf den Abend ein. Einzig mit einer Gitarre in der Hand verzauberte Walsh das Publikum. Viele kannten den Musiker wohl vorher nicht, ließen sich aber auf die klangvollen Melodien ein und mitreißen.

Während so langsam die Sonne hinter dem Dom unterging und die Techniker schnell die Bühne umbauten, warteten viele ganz gespannt auf den Hauptact des Abends. Um 20.20 Uhr mit fünf Minuten Verspätung gaben sich schließlich Sting und Shaggy die Ehre und eroberten die Bühne. Mit einem Schlag gingen die Hände der Besucher in die Luft, Sting stimmte an und alle sangen einen seiner größten Hits "Englishman in New York" textsicher mit – das Eis zwischen dem Publikum und den Musikern war sofort gebrochen, der Funke übergesprungen. Was die erste halbe Stunde danach folgte, war für viele Sting-Liebhaber der ersten Stunde zwar neu, aber abwechslungsreich. Auf dem Domplatz herrschte Jamaika-Feeling. Pop-Musiker Shaggy hatte zunächst das Kommando übernommen und gab einige Songs zum Besten. "We get some Reggae in the house. Here we go", rief Shaggy den Besuchern zu und sofort gingen die Hände hoch in die Luft und zum Rhythmus der Musik mit. Er brachte Hits wie "Mr. Bombastic" oder "Angel" mit nach Fulda.

Doch auch die Sting-Liebhaber kamen nicht zu kurz. Spätestens bei Songs wie "Every little thing she does is magic" oder "Message in a bottle" schlugen die Herzen der Fans höher. Während bei einigen Liedern richtig rockige Stimmung aufkam und das Publikum so richtig abging, herrschte bei "Fields of gold" auf einmal fast schon eine ruhige, andächtige Atmosphäre. Viele schauten in den blauen Himmel, schwelgten in alten Erinnerungen, träumten von der alten Liebe und erinnerten sich an vergangene Tage – hier gab es einige Gänsehaut-Momente.

Neu war dieses Mal die Absperrung vor dem Domplatz – die Sicherheitsbeauftragten hatten den Bereich zwischen Pauluspromenade und Havanna Bar weiträumig abgesperrt. So mussten die Besucher erst einen Schlenker in Richtung Stadtschloss laufen und kamen dann durch die Absperrungen. Im Laufe des Konzerts wurde der Bereich dann freigegeben, sodass viele Fuldaer im Bereich vor dem Stadtschloss versammelten und von dort aus den Klängen der Musik lauschten.

(c) Focus by Svenja Müller

Sting und Shaggy auf dem Domplatz: Zurück zu den Wurzeln mit Karibik-Sound...

Ein gemeinsames Konzert von Sting und Shaggy? Der eine feiert seit vier Jahrzehnten Erfolge als Pop-Rocker, der andere ist als Patois-rappendes One-Hit-Wonder der 90er-Jahre bekannt. Auf dem Fuldaer Domplatz zeigten beide am Donnerstagabend, warum auch der Reggae nicht zur Einheit führt.

Etwas Leidensfähigkeit braucht es schon, bis die Ohren sich an das ungewöhnliche Duett auf dem Domplatz gewöhnt haben: Stings melancholische Nieselregen-Tenorstimme und Shaggys druckbetankter Sprechgesang gehen so gut zusammen wie das Symphonieorchester und die Metalband, die fürs Jubiläumsalbum gemeinsam aufspielen. Aber ja, die Wurzeln der ungleichen musikalischen Partner sind dieselben, irgendwie: Reggae, Rocksteady und Ska haben die britische Rockmusik stark beeinflusst, die Post-Punk-Formation "The Police", deren Frontmann Gordon Matthew Thomas Sumner alias "Sting" einst war, hat ihren Erfolg nicht zuletzt Reggae-Elementen zu verdanken. Der Jamaikaner Orville Richard Burrell alias "Shaggy" hat sich mit Offbeat-Charthits in den Neunzigerjahren einen Namen gemacht.

Sting hat bereits früher mit Musical, Weltmusik und Jazzpop experimentiert und eine längere Zeit in Kingston gelebt. Wie aber harmonieren der nachdenkliche, für Umweltschutz und Menschenrechte engagierte Weltbürger Sting und "Mister Lover Lover", Shaggy? Kurze Umfrage auf dem Domplatz: Haben Sie gewusst, dass Shaggy heute Abend dabei ist? Verhaltenes Lächeln – "Nein, wer ist das denn eigentlich?", "Ich dachte nicht, dass so viel Sprechgesang dabei ist", "Ich habe mich eigentlich auf 'Roxanne' und 'Englishman In New York' gefreut."

Nach Passagen bekannter Lieder Stings wie "Message in A Bottle" wirkt der schwere Sprechgesang-Kommentar Shaggys deplatziert und beinahe komisch, manche Zuhörer lachen instinktiv auf. Zu groß ist der Kontrast der beiden Charaktere, der beiden Mentalitäten und Weltanschauungen, die da zusammen auf der Bühne stehen. Stings legendäre Stimme, auch mit 66 Jahren noch mühelos hoch und klar, ohne ins Falsett zu driften, wird durch das jamaikanische Kreolisch Shaggys ebenso konterkariert wie die nostalgischen Klangteppiche der Klassiker. Die Zielgruppen könnten kaum unterschiedlicher sein: "King of Pain" beschreibt mit dichter Metaphorik seelischen Schmerz, "Oh Carolina", die Pop-Adaption Shaggys, mit machohafter Attitüde die körperlichen Attribute der Angebeteten. Aber der Reggae soll's richten: Auf dem gemeinsamen Album "44/876", dessen Lieder am Abend prominent vertreten sind, wird die bisweilen hochpolitische und religiöse Stilform zum chartkompatiblen Gute-Laune-Faktor.

(c) Osthessen-News

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