57th & 9th
Mar
25
2017
Hamburg, DESporthalle
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Wie Sting Hamburger Fans mit einfachen Mitteln mitreißt...

Nur Sound und Licht reichen dem singenden Bassisten in der Sporthalle, um seine Fans mit einem puren Rockkonzert zu begeistern.

Hamburg. Seinen Hit "Englishman In New York" spielt Sting bereits als dritten Song. Eine plausible Entscheidung, denn die derzeit laufende Tour heißt "57th & 9th" und das ist eine Straßenkreuzung auf der Westseite von Manhattan. Dort liegt das Studio, in dem Sting die Songs seines aktuellen Albums aufgenommen hat und dort besitzt er auch ein Apartment, in dem er in den vergangenen Jahren mit seiner Frau überwiegend gelebt hat.

New York war der Ausgangspunkt des neuen Albums, es ist der Ort, von dem aus Sting sich an seine Kindheit in einem Vorort von Newcastle erinnert und sich auf seine musikalischen Wurzeln besinnt. Viele Songs auf "57th & 9th" erinnern an den Beginn seiner beispiellosen Karriere mit dem New-Wave-Trio The Police.

Auf der Bühne in der Sporthalle Hamburg steht kein Schnickschnack, Sting hat sogar auf Videoleinwände verzichtet. Es gibt nur Sound und Licht, so wie früher. Der Fokus liegt auf den Songs. Nach der formidablen texanischen Vorgruppe The Last Bandoleros, die Sting – ganz Gentleman – um Punkt 20 Uhr mit dem Song "Heading South On The Great North Road" angekündigt hatte, kommt er eine Stunde später auf die Bühne und legt mit "Synchronicity II" und "Spirits In The Material World", zwei Police-Nummern, los.

Die Marschroute ist klar, dieser Abend wird im Zeichen des Rock 'n' Roll stehen. Nach "Englishman" folgte der erste Kracher aus "57th & 9th": "I Can't Stop Thinking About You" prescht mit Tempo los und besitzt die Rauheit ganz früher Police-Songs.

Sting vertraut wie seit 30 Jahren auf die Gitarrenkunst seines Kollegen Dominic Miller, der am linken Bühnenrand steht. Auf der anderen Seite steht noch ein Miller: Rufus ist der Sohn von Dominic und ebenfalls ein famoser Gitarrist. Als neuen Schlagzeuger hat Sting Josh Freese in die Band geholt. Der Amerikaner, Jahrgang 1972, ist ein versierter Trommler, der mit vielen Größen im Rock gearbeitet und an mehr als 300 Plattenaufnahmen beteiligt war. Sein vertracktes Spiel erinnert an den Police-Drummer Stewart Copeland.

Das passt genau zum Repertoire des Abends, denn Sting hat noch sechs weitere Stücke aus dem Police-Fundus auf seiner Setliste stehen. Über "Message In A Bottle" erzählt er, dass er das Lied Mitte der 70er-Jahre geschrieben habe und niemand außer seiner Katze es damals hören wollte. Inzwischen ist daraus ein Klassiker geworden, der von den begeisterten Fans in der ausverkauften Halle genauso leidenschaftlich mitgesungen wird wie "Roxanne" und "So Lonely".

Sting ist auch ein Familienmensch. Zwei seiner sechs Kinder sind Musiker geworden, der 40 Jahre alte Joe Sumner aus seiner ersten Ehe begleitet den Vater auf Tour. Auch er besitzt eine ausdrucksstarke Stimme. Er ist Teil des Vorprogramms und darf später die Coverversion von David Bowie "Ashes To Ashes" singen. Nach Experimenten mit mittelalterlicher Lautenmusik und einem Musical ist Sting dahin zurückgekehrt, wo er 1977 seine Karriere begonnen hat: in die Rockmusik, die damals Post-Punk oder New Wave hieß.

Seine Fans feiern ihn und erleben in der Sporthalle ein mitreißendes Konzert. Auch der singende Bassist selbst scheint mächtig Spaß zu haben. Vielleicht erinnert er sich an das Police-Konzert in der Markthalle. Schon damals, 1980, hat er mit seiner Band mächtig abgeräumt.

(c) Hamburger Abendblatt by Heinrich Oehmsen

Sting rockt die Alsterdorfer Sporthalle...

Der 65-Jährige stellte sein im November erschienenes Album „57th & 9th“ vor, auf dem er nach Ausflügen ins Musical- und Weltmusikfach wieder deutlich rockigere Klänge anschlägt.

Erstes Konzert in Deutschland auf der aktuellen Tournee, seit Wochen ausverkauftes Haus, die Rückkehr des Alleskönners zum straighten Rock - große Spannung in der Sporthalle. Wie ist er drauf, was hat er an, womit fängt er an? Große Überraschung: Sting hat Sohnemann dabei, Joe Sumner, 41, und der bestreitet ein paar Nummern mit der texanischen Band „The Last Bandoleros“, die dann auch noch allein ein paar Texmex-Songs rocken, sehr eingängig, guter Harmoniegesang.

Dann aber der Meister himself: Synchronicity II, Spirits In the Material World und eine verfremdete Version von Englishman in New York. Spätestens da hatte er das Publikum in der Hand.

Die Songs seines neuen Albums „57th and 9th“ mischte er mit ganz alten Police-Stücken - zur Begeisterung seiner Fans, die mit ihrem Idol erwachsen geworden, nur leider nicht immer so gut in Form geblieben sind wie der 65-jährige Brite, der im schlichten blauen T-Shirt auf die Bühne kam (und dies anders als 1988 an gleichem Ort auch bis zum Schluss anbehielt).

Sting gestaltete das über zweistündige Konzert als großes Familienfest. Sohn Joe sang im Background-Chor, aber auch als Leadsänger David Bowies „Ashes to Ashes“ als Reminiszenz an den 2016 verstorbenen Kollegen. In seinem neuen Song "50000" thematisert er den Tod einer Reihe von Freunden und Musikern wie Prince, Bowie oder Alan Rickman, mit dem Sting persönlich befreundet war.

Stings langjähriger Weggefährte Dominic Miller hat seinen Sohn Rufus in die Band geholt. Keine Keyboards, keine Bläser, stattdessen ein knackiger, transparenter, knuspriger Rocksound, nah an The Police, mit einem Sänger, der stimmlich auf der Höhe war - und seinen Fans kaum einen Hit vorenthielt: Message in a Bottle, Walking in the Moon, So Lonely, Fields of Gold, Shape of My Heart und natürlich als Zugabe Every Breath you take.

(c) shz.de by Joachim Pohl

Tourauftakt für Sting: Balsam für die Seelen der Menschen...

Sting ist früh dran. Zur besten "Tagesschau"-Zeit kommt der als Gordon Matthew Thomas Sumner geborene Brite ganz unprätentiös in T-Shirt und Jeans auf die Bühne; dabei hatten die Zuschauer in der seit Wochen ausverkauften Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg eigentlich erst mit seiner Support-Band gerechnet.

"Guten Abend, meine Damen und Herren", begrüßt der 65-jährige Musiker zum Tourauftakt vornehm auf Deutsch und stimmt auf der Akustikklampfe das Lied "Heading South On The Great North Road" ein. Es stammt von seinem im November erschienenen Album "57th & 9th", auf dem er nach Ausflügen ins Musical-, Orchester- und Weltmusikfach wieder rockigere Töne anschlägt.

An diesem Abend dient der Song dazu, dem Publikum eine besondere Person aus Stings Leben vorzustellen: "Hier ist mein Sohn, Joe Sumner!", sagt er nach ein paar Akkorden. Joe Sumner, der auch schon 40 Lenze zählt, stimmt unter viel Jubel in den Gesang des Vaters ein, und es ist rührend und erstaunlich zugleich, wie ähnlich die beiden klingen und auch noch ausschauen. Der Sting-Spross singt noch ein paar Akustik-Stücke alleine, danach heizt die texanische Supportband The Last Bandoleros den Menschen im übervollen Innenraum der Halle ein.

Wenig später kommt Sting zurück. Begleitet wird er nun von einer sechsköpfigen Band, zu der sich auch sein Sohn gesellt. Als Dutzende Scheinwerfer die Bühne in rotes Licht tauchen und er "Englishman in New York" anspielt, gibt es den ersten Zwischenapplaus. Auch die im Anschluss dargebotenen neuen Stücke "I Can’t Stop Thinking About You" und "One Fine Day" kommen prima an. Stings Konzert ist so schnörkellos wie er selbst, es geht ihm allein um die Musik. Davon hat der mit 16 Grammys ausgezeichnete Künstler in 40 Jahren so reichlich angesammelt, dass er für einige Gänsehaut-Momente sorgt.

Als die ersten Klänge von "Fields Of Gold" ertönen und die Farbe des Lichts auf Goldgelb wechselt, geht ein tiefer Seufzer durchs Publikum. In einer aus den Fugen geratenen Welt gibt Sting den Menschen auch Balsam für die Seele. Mit "Ashes To Ashes" lässt er Joe Sumner eine Hommage an den im Januar 2016 verstorbenen Kollegen David Bowie singen. Bei "Desert Rose" zeigt Sting, welch großartiger Arrangeur er auch ist: Das Lied gebärdet sich mit seinen Weltmusikelementen wie ein wilder Ritt durch die Kulturen.

Erstaunlich viele Klassiker seiner ehemaligen Band The Police streut Sting in sein Set, wofür er den größten Applaus erntet. "Message In A Bottle", "So Lonely", "Roxanne" und "Every Breath You Take" präsentiert er mitunter in abgewandelten Versionen. Emotional wird es noch mal am Schluss, als Sting zur zweiten Zugabe auf die Bühne zurückkehrt. "Ich möchte den Abend nachdenklich beenden", sagt er und widmet das Lied "Fragile" den Opfern des Westminster-Anschlags in London vom Mittwoch. Ein würdiger Abschluss für ein tolles Konzert.

(c) Zeit Online

 

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